Sind Roller tot?

Wir leben in einem Zeitalter beinahe absoluter Mobilität. Kaum eine Ecke dieser Welt, welche nicht innerhalb eines oder zweier Tage erreicht werden könnte. Viele Grossstädte ihr Nahverkehrsangebot so gut ausgebaut, dass es vierundzwanzig Stunden verfügbar ist, Züge verkehren mehrmals täglich von Süd nach Nord, von West nach Ost, seit ein paar Jahren gibt es Fernbusse und fliegen wird immer billiger. Zusätzlich gibt es Taxify und Uber, sowie andere Apps, welche es quasi überflüssig machen, ein Auto zu besitzen.

Wenn man an Italien denkt, Rom besonders, dann denkt man automatisch an verstopfte Strassen, Chaos, Verkehrsrowdies und, ja, genau, man denkt an Motorroller! Man sieht in Rom beinahe jeden zwischen 20 und 70 auf einem Roller rumflitzen, bis vor einigen Jahren beständig ohne Helm. Das Kennzeichen von Italianità war ein athletischer Mann an der Lenkstange und hinten, sich an ihn schmiegend eine Brünette mit wehendem, gelockten Haar.

Ein Roller ist ein kleines Motorrad, oft als Vespa bezeichnet. Denn nach dem zweiten Weltkrieg hatte eine italienische Firma die Idee, aus den Überresten der Kriegsflugzeugproduktion einen Roller zu bauen, da man für wenig Geld eine Transportmöglichkeit anbieten wollte.

Wenn man einen Motorroller bis 50ccm kauft, reicht der Autoführerschein (Klasse B) aus, wenn man einen Roller mit Einspritzmotor wählt, ist man auch zügig unterwegs, ohne Motorradführerschein und mit nur 50ccm darf man allerdings nicht auf Autobahnen unterwegs sein.

Während ein markenloses Produkt vom Discounter für rund sechs- bis siebenhundert Euro zu haben ist, kostet der Roller schlechthin, der berühmteste aller Stadtflitzer, eine Vespa ab 2900 Euro.

Wichtig sind bei der Kaufentscheidung, neben Komfort und Gefallen, auch die Frage, wofür man den Roller benutzen möchte: Wer oft Einkäufe mit nach Hause nehmen möchte, tut gut daran in zusätzlichen Stauraum, beispielsweise ein Top Case, zu investieren.

Der Unterhalt eines Rollers ist sehr günstig, die Versicherung sollte weniger als hundert Euro im Jahr kosten, der Verbrauch ist auch sehr gering, Spitzenwerte liegen bei etwa 2l pro 100km, erreichbarer scheinen aber zwischen drei und vier Litern. Und auch die Steuern sind überschaubar.

Oft werden Roller aber nur im Sommerhalbjahr gefahren. Vielen Benutzern ist die Maschine zu ruckelig im Herbst und Winter, zu kalt und die Gefahr bei Nässe und Glätte auszurutschen zu gross. Ob sich dann die Anschaffung lohnt, ist fraglich, denn in unseren Breitengraden ist schlechtes Wetter ja ziemlich häufig.

Gerade in der heutigen Zeit, wo Umweltschutz sehr im Vordergrund steht und man mit dem Roller nur kurze Strecken zurücklegen möchte, sollte man unbedingt einen Elektroroller in Betracht ziehen. Die Reichweiten liegen im Moment unter hundert Kilometern. Dies schränkt natürlich die Nutzbarkeit deutlich ein und gerade in Grossstädten gerät man damit an die Leistungsgrenze. Kann man aber während der Arbeitszeit den Roller aufladen, ist dies natürlich kein Argument. Bestehen bleibt aber, dass ein Elektroroller momentan noch gut und gerne dreitausend Euro kosten kann. Und dieses Argument lässt sich leider auch nicht schönreden. Das grüne Gewissen und das Wissen, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, kostet im Moment also noch einen stattlichen Obulus. Nun, Ablasshandel war schon immer sehr lukrativ.

Roller sind also keinesfalls tot, im Gegenteil, sie sind eine wahrhafte Alternative im modernen Stadtleben.